Logo auf dem Katalog-
  Deckblatt 1929
Die KUNST des
EDUARD CRÄMER

Am Südhang des Thüringer Schiefergebirges, am Fuße der Ruine Schaumburg, liegt das kleine, aber sehr alte Städtchen Schalkau. Wie überall in Thürigen und Franken des 19. und frühen 20. Jahrhundert ist die Spielzeugherstellung auch hier ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, für die die nahegelegene und heute als Spielzeugstadt bekannte Stadt Sonneberg das Zentrum bildet.

1885 heiratet der gelernter Schneidermeister Eduard Crämer Anna Schwabacher und übernimmt zugleich die Spielwarenfabrik seines Schwiegervaters. Schon 1896 fertigt er die ersten Stofftiere und benennt seine Firma um in "Fabrik feiner Plüschspielwaren Eduard Crämer, Schalkau in Thüringen", in die 1901 sein Sohn Hermann und wenig später seine beiden Schwiegersöhne W.Macheleidt und H.Lohr als Mitarbeiter eintreten. Anfang der 1920er Jahre bewirbt sich die Münchner Kunstgewerblerin Marie Schultheiss auf eine Zeitungsannonce als Designerin. Ihre Entwürfe werden bis in die 1950er Jahre den unverwechselbaren Charakter der Bären und Tiere prägen, die seit 1915 unter dem Markenzeichen "EDUCA" weltweit vertrieben werden.
Der 2.Weltkrieg legt allerdings eine weitere Produktion lahm; und als Eduard Crämer 1945 im Alter von 86 Jahren stirbt, endet auch die Firmengeschichte. Zwischen 1952 und 1958 wird der Betrieb noch vom Enkel Hans Lohr in Pacht weitergeführt. Danach wird der Betrieb endgültig verstaatlicht, aufgelöst.
 

   Firmengründer Eduard Crämer

Firmengebäude in Schalkau


  Brustschilder 1920er/30er Jahre   


            Katalogtitel 1929              


  Katalogtitel Mitte der 20er Jahre  


Teddybären der Marke "EDUCA" gehören zu den schönsten und ausdrucks-stärksten Bären der Teddygeschichte. Eduard Crämer war einer der ersten, bedeutendsten und vielseitigsten deutschen Stofftierfabrikanten, der bereits 1905 Teddybären entwarf und schon vor dem 1. Weltkrieg erfolgreich im eigenen Land sowie nach England und Amerika verkaufte. Katalogmaterial über diese Zeit ist leider nicht bekannt, doch sicher waren auch seine damaligen Teddybären unverwechselbar gegenüber anderen Firmen.
Die Bären wurden aus bestem Mohair, Wollplüsch, Seidenplüsch und Filz gefertigt. Neben blonden, goldenen, weißen und braunen Bären wurden auch grüne, aprikot- und rosafarbene Teddys hergestellt. Manche Teddies waren mechanisch ausgestattet. Es gab sie als Tanzbären, Laufbären und Bären mit Musikwerken, die durch Hin- und Hernicken des Kopfes verschiedene Melodien spielen konnten.


Eduard Crämer entwarf aber nicht nur außergewöhnliche Teddybären, sondernauch Filzpuppen und Plüschtiere verschiedenster Tierarten. Sein Sortiment ist reich an Hunden, Katzen, Hasen, Wildtieren und Zwergen. Jedes Modell wurde in mehreren Größen, oft auch auf Rädern und als Handpuppe, angefertigt und tragen die unverwechselbare Handschrift von Vater und Sohn Crämer bzw. ihrer Designerin Marie Schultheiss.
In den zeitgenössischen Katalogen sind wunderbare Beispiele präsentiert, wenn auch lange nicht alle Tiere. Vor allem der Messe-Katalog von 1929 besticht durch hervorragend gedruckte Abbildungen.
Auch Filzpuppen gehörten zur Produktpalette. Zwerge gab es in verschiedenen Ausführungen und mit unterschiedlichen Accessoirs: Kein Zwerg gleicht dem anderen!
           Drolly-Hund von Crämer, wie er im            Katalog von 1929 abgebildet ist. Drolly-Hund aus unserer Sammlung
im ladenneuen Erhaltungs-Zustand.






Auch Marie Schultheiss
verwendete ein dreieckiges
Brustschild




Die Designerin

Marie Schultheiss stammt aus einer Münchener Künstlerfamilie. Unmittelbar nach Abschluß ihrer Ausbildung zur Kunst-gewerblerin bewarb sie sich bei Eduard Crämer, in dessen Firma sie als Gestalterin eingestellt wurde. Ihre Entwürfe zeichnen sich nicht nur durch eine Lebensechtheit aus, die ihresgleichen sucht, sondern waren zugleich innovativ und stilprägend. So war sie es, die in den 1920er Jahren den EDUCA-Teddybären die typische Gesichtsmaske gab; sie schuf die typische Mundgarnierung mit der "Knopfloch"- Zunge und gestaltete viele Teddy- und Tiermodelle, die auch von anderen Herstellern kopiert werden sollten.
Im Jahre 1952, nachdem der Firmeninhaber Hermann Crämer – als "Bibelforscher" denunziert – von der Staatsführung nach Eisenstadt verbannt worden war, ging sie zurück in ihre Heimatstadt München, wo sie unter ihrem eigenen Label "Schultheiss München" nicht nur dort weitermachte, wo die Firma Eduard Crämer nach dem Tod des Firmengründers aufgehört hatte, sondern Ihre Arbeit noch weiter perfektionierte. Dabei übertraf sie sich noch einmal in Phantasie und Design: Weil sie in kleinen Auflagen produzierte, hauptsächlich für das Spielwaren-Kaufhaus F.A.O. Schwarz in New York, aber auch für örtliche Spielwarengeschäfte, konnte sie Ihrer Kunst freien Lauf lassen und Ideen verwirklichen, die in einer auf Menge ausgerichteten Produktion nicht realisierbar gewesen wären. Vor allem die Tiere aus dieser Zeit stellen für uns das Schönste dar, was jemals an Plüschtieren hergestellt wurde. 1971 – mit 72 Jahren – stellte sie aus privaten Gründen die Produktion ein.





      Der Schnitt dieser 28cm großen Perser-Katze zeigt das       einzigartige Können von Marie Schultheiss. Obwohl sie       um 1952 hergestellt wurde – sie trägt an ihrem linken 
      Bein eine US-Zonen-Fahne –, ist sie aus drei verschie-
      denen Sorten feinstem Mohair in Vorkriegsqualität       gefertigt.
 Bemerkenswert ist nicht nur das perfekte       Design, welches natürlich an Crämer-Katzen erinnert,       sondern auch die Trimmung ihrer Haare.


     

      Ein Löwe um 1930 und der  Neuentwurf von Marie       Schultheiss aus den 50er Jahren. Auf Grund ihrer hohen       Material- und Verarbeitungsqualität
werden Schultheiss-
      Tiere oft für Vorkriegsexemplare gehalten.   


Als eigenständige Unternehmerin konnte Marie Schultheiss ihrer Kreativität völlig freien Lauf lassen, wie bei diesem hinreißenden "Teddy-Schwein".


         



Das blaue Logo wird noch
kurze Zeit nach dem Krieg verwendet.

 

Nach dem Krieg

Mit Kriegsende und Eduard Crämers Tod im selben Jahr beginnt das letzte Kapitel der Marke EDUCA.
Zunächst wird noch unter der Regie von Hermann Crämer die Produktion nach alten Schnitten fortgeführt. Die Materialien haben zwar nicht mehr die Qualität wie vor dem Krieg, unterscheiden sich aber nicht von den im Westen verwendeten Stoffen. Erst mit zunehmender wirtschaftlicher Isolierung der DDR muß auf billige und vor allem verfügbare Materialien wie Baumwollplüsch zurückgegriffen werden.
1952, nachdem Hermann Crämer gezwungener Maßen Schalkau verlassen muß, wird die Firma an den Enkel Hans Lohr verpachtet. Ob es wirtschaft
liche oder politische Zwänge sind – 1958 schließt sich sich die Firma mit anderen Betrieben zur PGH SCHAWA Schalkau zusammen, die Anfang der 1970er Jahre verstaatlicht wird und im VEB Spielwaren Schalkau aufgeht. Es wird zwar auch jetzt noch nach – zum Teil stark vereinfachten – Schnitten der Firma Crämer produziert, die Qualität der Materialien und der Verarbeitung ist allerdings mangelhaft.


 

       Jungbären aus Wollplüsch,wie sie in
       den Jahren1952-58 hergestellt wurden.

     
 

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